Rudolf Dentler – selbsternannter König v. Ulm

Rudolf Dentler

Am Abend des Schwörmontages besteigt »seine Majestät Rudolf Dentler rex« den Thron an der nördlichen Hauswand seiner Galerie für Goldschmiedekunst im Ulmer Fischerviertel, um vor erwartungsvollem Publikum die Thronrede zu halten. Der Ulmer Goldschmied und selbst ernannte König von Ulm verleiht bei dieser Zeremonie alljährlich den Dentler-Kunstpreis, einen eigens dafür entworfenen Ehrenring mit goldenem Kreuz. Diesen erhält stets eine Person der Ulmer Elite, d.h. ein Mensch, welcher durch seine Tätigkeit im Bereich der Kunst, Kultur oder des Sozialen besondere Anerkennung verdient. Ein Chor untermalt die Veranstaltung musikalisch.

Soweit so gut, was aber hat es mit dieser Veranstaltung auf sich. Wie entstand das ganze und wer ist der seltsame Mensch, der sich »König von Ulm« nennt? – Lesen Sie im Folgenden einige Hintergründe zur Person und zum Werken Rudolf Dentlers:

Rudolf Dentler – Selbstständiger, Goldschmied, Schmuckprediger und selbsternannter König von Ulm

Rudolf Dentler wurde 1924 als Sohn eines Dirigenten in Pforzheim geboren. Er wuchs mit 8 Geschwistern auf. Nach einer Goldschmiede-Lehre folgte die Ausbildung an der Kunst- und Werkschule Zürich. 1955 eröffnete er seine erste Werkstatt im Blaubeurer Klosterhof. Seither beteiligte er sich wiederholt an vielen in- und ausländischen Ausstellungen, u.a. zusammen mit Pablo Picasso in der Londoner »Goldsmith’s Hall«: »Weltausstellung« unter Königin Elisabeth, aber auch in München, Florenz, New York, Lyon, Lisabon. Im Jahre 1958 erhielt Rudolf Dentler schließlich seine erste eigene Ausstellung im Ulmer Museum. Bis ins 21. Jahrhundert sollten viele weitere nationale wie internationale Ausstellungen über die Werke, die Kunst und natürlich die Person Rudolf Dentlers folgen, u.a. in Paris (La Cimaise), den USA und in Berlin (Schloss Charlottenburg).

1968 zog Rudolf Dentler dann ins Fischerviertel und eröffnete die zu dieser Zeit erste Galerie für Goldschmiedekunst in Deutschland. Zusammen mit seinem Bruder Theo gründete Rudolf Dentler das Künstlerhaus in Ulm. Nach fünfjähriger Ballettschule, parallel zu seiner Arbeit als Künstler und Galerist, folgten zahlreiche Auftritte und Rollen auf der Bühne des Ulmer Theaters (u.a. 1987 als Peer Gynt sowie Bischof König Arthurs). Zwei Jahre später, 1989, nach 50jährigem freien Schaffen, nach »diesem Durchhalten«, fand der 64jährige, 2-fache Vater, es sei an der Zeit, sich und seinem Lebenswerk die Krone aufzusetzen. »Ich glaube, ich sei es geworden« sprachs und lies an der Nordseite seiner Galerie einen selbst entworfenen Thron, einen Lehrstuhl für Kunst und Wissenschaft, in gut 6 m (Augenhöhe) an der Hauswand befestigen. »Von hier werde ich besser gesehen, besser gehört, besser verstanden« meinte er, »seine Majestät, der König«, Rudolf Dentler, und weiter: »Das hat sein müssen.«

Bereits 5 Jahre nach seiner »Inthronisation« und eigenen Krönung am 6. Mai 1989, hatte der Sonnenkönig »Rex Rudolphus« neue Ziele. 1994 verlieh Rudolf Dentler den Ökumenischen Papst-Ring an Papst Johannes Paul I. und sieht sich nunmehr seit seinem 70. Lebensjahr als »unsterblich«, zumindest im Bereich des künstlerischen Schaffens. Neben verschiedenen Ausstellungen und Thronreden, gab Rudolf Dentler auch ein Orgelkonzert zur Ballett-Ausstellung Hermann Peterle (St. Maria, 1999) und verbrachte mit 75 Jahren die Jahrtausendwende auf seinem Thron zum »Jahrtausendempfang«.

Wir dürfen also gespannt sein, was diesem bewundernswerten und überaus kreativen Menschen unserer Zeitgeschichte noch alles einfallen wird – vor seinem 100. Geburtstag, denn »mit 100 höre ich auf«, prognostizierte er 1995 selbst.

Besuchen Sie doch einmal die älteste Galerie Ulms:
Galerie für Goldschmiedekunst, Gerbergasse 3
(Ulmer Fischerviertel, Nähe Steinerne Brücke).
Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9 – 18 Uhr, Sa. 9 – 15 Uhr.

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